Die dänische Velux-Gruppe gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Dachfenstern und Flachdach-Ausstiegslösungen. Das Produktportfolio umfasst Schwing-, Klapp- und Rollfenster für geneigte Dächer sowie Flachdachfenster mit integrierten Rauch- und Wärmeabzugsfunktionen. Für die Branche relevant ist die technische Differenzierung nach Öffnungsart, Wärmedämmung und baurechtlicher Zertifizierung – insbesondere bei mehrgeschossigen Holzbauten mit Dachausbau.
Produktlinien für geneigte Dächer: GGL, GGU und GPU
Die Schwingfenster-Serie GGL mit Holzkern und Polyurethan-Beschichtung erreicht U-Werte bis 1,0 W/m²K bei Dreifachverglasung und eignet sich damit für Passivhaus-Projekte. Die Kunststoff-Variante GGU bietet bei geringerem Eigengewicht vergleichbare Dämmwerte und wird häufig in Steildach-Sanierungen eingesetzt. Das Klapp-Schwingfenster GPU kombiniert obere Drehachse mit zusätzlicher Schwingfunktion und ermöglicht bodentiefe Ausblicke bei Dachneigungen ab 15 Grad. Alle Modelle sind wahlweise mit elektrischem Antrieb und Regensensor erhältlich, was die Integration in Smart-Home-Systeme erleichtert – ein Trend, der sich auch im Beschlagssegment fortsetzt.
Für Architekten und Holzbauer entscheidend ist die Kompatibilität mit gängigen Dachaufbauten: Velux liefert vorkonfektionierte Eindeckrahmen für Ziegel, Schiefer und Wellplatten sowie dampfdiffusionsoffene Anschlussfolien, die Holzfeuchte-Management in gedämmten Dachkonstruktionen unterstützen. Die Montage erfolgt in der Regel auf Dachsparren mit mindestens 38 mm Querschnitt; bei Brettsperrholz-Dächern sind Adapterlösungen für CLT-Platten verfügbar.
Flachdachfenster CXU: Notausstieg und Rauchabzug in einem System
Das Flachdachfenster CXU vereint Tageslichtfunktion, zertifizierten Notausstieg nach DIN EN 12101-2 und natürlichen Rauchabzug (NRWG) in einer Baugruppe. Die elektrisch oder pneumatisch betriebene Kuppel öffnet im Brandfall automatisch und ermöglicht gleichzeitig die Evakuierung über eine integrierte Ausstiegsleiter. Für mehrgeschossige Holzbauten mit Flachdach ist dies eine bauordnungsrechtlich anerkannte Lösung, die separate Rauchklappen erspart.
Die Lichtkuppel erreicht bei Dreifachverglasung U-Werte um 0,9 W/m²K und ist für Dachneigungen von 0 bis 15 Grad ausgelegt. Der Einbau erfolgt entweder direkt in die Dachabdichtung oder auf vorgefertigten Lichtkuppelaufsätzen aus Aluminium. Bei CLT-Flachdächern ist die Planung der Dachdurchdringung und Anschlussdichtung besonders kritisch, um Feuchtebrücken zu vermeiden. Velux bietet hierfür werkseitig geprüfte Anschlusssets, die mit gängigen Bitumen- und EPDM-Abdichtungen kompatibel sind.
Marktposition und Wettbewerb
Im europäischen Dachfenstermarkt konkurriert Velux vor allem mit Roto, das ebenfalls Schwing- und Klappfenster für geneigte Dächer anbietet, sowie mit Spezialanbietern wie Lamilux im Flachdach-Segment. Velux differenziert sich durch breite Produkttiefe – von Rollos und Außenraffstores über Steuerungstechnik bis zu vorkonfektionierten Dachgauben – und ein europaweit dichtes Servicenetz. Marktanteile werden von den Unternehmen nicht publiziert; Branchenbeobachter schätzen den Anteil von Velux in Deutschland auf über 40 Prozent im privaten Steildach-Segment.
Aktuelle Entwicklungen: Digitale Planung und Nachhaltigkeitszertifizierung
Velux hat 2024 seine BIM-Bibliothek erweitert und stellt für alle Hauptproduktlinien parametrische Revit-Familien bereit, die in digitale Holzbau-Planungsprozesse integrierbar sind. Parallel dazu wurden die Holzkernfenster der GGL-Serie mit FSC-zertifiziertem Kiefernholz ausgestattet, was Nachhaltigkeitsnachweise in DGNB- und LEED-Projekten vereinfacht. Im Rahmen der Passivhaus-Zertifizierung bietet Velux seit kurzem Fenster mit passivhaustauglichen Uw-Werten von 0,78 W/m²K an, die ohne zusätzliche Dämmrahmen auskommen.
Für Tischlereien und Holzbaubetriebe bleibt die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Nachrüstoptionen ein wichtiges Kriterium: Velux garantiert 15 Jahre Ersatzteilversorgung ab Produktionsdatum und bietet Umrüstsets für ältere Schwingfenster auf elektrische Antriebe. Diese Servicetiefe wird in Sanierungsprojekten zunehmend zum Differenzierungsmerkmal gegenüber No-Name-Anbietern.
