In Städten mit chronischem Wohnraummangel und steigenden Grundstückspreisen rückt eine Bauweise in den Fokus, die lange Zeit eher als Nische galt: die Aufstockung bestehender Gebäude in Brettschichtholz- oder Holzrahmenbauweise. Die Frank Zimmerei und Holzbau GmbH & Co. KG aus München-Allach-Untermenzing bewirbt auf ihrer Website gezielt Hausaufstockungen und Neubauten in Holzbauweise – ein Angebot, das sich nahtlos in die Diskussion um innerstädtische Nachverdichtung und nachhaltiges Bauen einfügt.
Holzbau als Hebel für urbane Nachverdichtung
Während Neubauprojekte auf der grünen Wiese in deutschen Ballungsräumen zunehmend an Flächenknappheit und planungsrechtlichen Hürden scheitern, bietet die vertikale Erweiterung von Bestandsimmobilien erhebliches Potenzial. Studien von Branchenverbänden zeigen, dass allein in München mehrere Tausend Dächer theoretisch für eine Aufstockung geeignet wären – sofern Statik, Brandschutz und baurechtliche Vorgaben erfüllt sind.
Hier spielt Holzbau im Klimawandel seine Stärken aus: Das vergleichsweise geringe Eigengewicht von Holzkonstruktionen ermöglicht Aufstockungen, ohne das bestehende Tragwerk wesentlich zu verstärken. Wo Massivbauweise zusätzliche Fundamente oder Ertüchtigungen erfordert, lassen sich mit vorgefertigten Holzrahmen- oder Brettsperrholzelementen oft zwei bis drei Vollgeschosse realisieren – bei deutlich kürzerer Bauzeit und reduziertem Eingriff in den laufenden Betrieb darunter.
Geschäftsmodell zwischen Handwerk und Projektentwicklung
Die Münchner Zimmerei positioniert sich mit ihrem Angebot an der Schnittstelle zwischen klassischem Handwerksbetrieb und projektbezogener Baudienstleistung. Während viele Zimmereien sich auf den Dachstuhl oder Fassadenbau konzentrieren, umfasst das Portfolio von Frank Zimmerei explizit auch den vollständigen Neubau von Wohngebäuden in Holzbauweise – ein Segment, das in ländlichen Regionen seit Jahren etabliert ist, in Großstädten jedoch erst langsam an Akzeptanz gewinnt.
Das Geschäftsmodell profitiert von mehreren Trends: Erstens steigt die Nachfrage nach Wohnraum in Ballungsräumen kontinuierlich, während bebaubare Grundstücke knapp bleiben. Zweitens verschärfen kommunale Klimaschutzpläne – etwa das Münchner Klimaneutralitätsziel 2035 – den Druck auf Bauherren, CO₂-intensive Baustoffe durch nachwachsende Rohstoffe zu ersetzen. Drittens haben sich Vorfertigung und digitale Planungswerkzeuge so weit professionalisiert, dass Holzbau auch bei anspruchsvollen innerstädtischen Projekten wirtschaftlich konkurrenzfähig ist.
Vorfertigung und Montagedauer als Wettbewerbsvorteil
Ein zentraler Vorteil der Holzbauweise liegt in der hohen Vorfertigung: Wand-, Decken- und Dachelemente entstehen in der klimatisierten Halle, die Holzfeuchte lässt sich präzise steuern, und die Montage auf der Baustelle dauert oft nur wenige Tage. Für Eigentümer von Mehrfamilienhäusern, die eine Aufstockung planen, bedeutet das minimale Beeinträchtigung der Bestandsmieter – ein Argument, das in Zeiten knapper Mietwohnungen und hoher Leerstandskosten an Gewicht gewinnt.
Zimmereien wie Frank, die den gesamten Prozess von der Planung über die Fertigung bis zur Montage abdecken, können Schnittstellen reduzieren und Bauzeiten verkürzen. Das setzt allerdings voraus, dass die Holzverbindungen statisch korrekt dimensioniert und die Bauteile millimetergenau vorgefertigt werden – ein Bereich, in dem digitale Abbundanlagen und CNC-Technik inzwischen zum Standard gehören.
Nachhaltigkeit als Verkaufsargument und regulatorischer Treiber
Die Münchner Zimmerei bewirbt ihre Leistungen explizit im Kontext von Nachhaltigkeit und Wohnraumknappheit – zwei Themen, die auch in der politischen Debatte eng verknüpft sind. Holzbau gilt als CO₂-Senke: Ein Kubikmeter verbautes Holz speichert langfristig rund eine Tonne CO₂, das der Baum während seines Wachstums der Atmosphäre entzogen hat. Gleichzeitig spart der Verzicht auf Beton und Ziegel erhebliche Mengen an grauer Energie ein.
Für Bauherren, die im Rahmen kommunaler oder bundesweiter Förderprogramme – etwa der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) – Zuschüsse beantragen, kann der Einsatz von Holz als nachwachsendem Rohstoff ein zusätzlicher Pluspunkt in der Nachhaltigkeitsbewertung sein. Auch das im Entwurf vorliegende Gebäudeenergiegesetz (GEG) und die Diskussion um eine verpflichtende Ökobilanzierung von Neubauten dürften Holzbauweisen künftig begünstigen.
Marktchancen und Herausforderungen für Zimmereibetriebe
Die strategische Positionierung auf Aufstockungen und Neubauten erfordert von Zimmereibetrieben mehr als handwerkliches Können: Neben statischer Kompetenz sind Kenntnisse in Baurecht, Brandschutz und Genehmigungsverfahren gefragt. In Bayern gelten etwa besondere Anforderungen an mehrgeschossige Holzbauten, die sich aus der Musterbauordnung und den Landesverordnungen ableiten. Hier sind enge Abstimmungen mit Architekten, Tragwerksplanern und Bauämtern nötig – ein Aufwand, den nicht jeder Handwerksbetrieb stemmen kann oder möchte.
Gleichzeitig bietet der Markt für Aufstockungen erhebliches Wachstumspotenzial: Laut Schätzungen von Branchenverbänden könnten allein in Deutschland mehrere Hunderttausend Wohneinheiten durch vertikale Nachverdichtung entstehen – ohne zusätzlichen Flächenverbrauch. Betriebe, die frühzeitig Know-how in diesem Segment aufbauen, könnten von steigenden Auftragszahlen profitieren, während reine Dachstuhl-Zimmereien in einem stagnierenden Teilmarkt konkurrieren.
Fachkräftemangel als limitierender Faktor
Ein Hemmnis für die Skalierung bleibt der Fachkräftemangel: Zimmerer sind bundesweit knapp, und die Anforderungen an mehrgeschossigen Holzbau übersteigen oft die Ausbildungsinhalte der klassischen Lehre. Weiterbildungen in digitaler Abbundtechnik, Holzbau-Statik und BIM-gestützter Planung werden daher zunehmend zum Differenzierungsmerkmal – auch für kleinere Betriebe, die in urbanen Märkten bestehen wollen.
Vergleich mit überregionalen Holzbau-Spezialisten
Während die Frank Zimmerei lokal in München-Allach verankert ist, expandieren größere Holzbau-Unternehmen wie W. u. J. Derix (derix.de) überregional mit industriellen Fertigungskapazitäten für Brettsperrholz und Brettschichtholz. Deren Geschäftsmodell zielt auf Großprojekte und mehrgeschossige Wohn- oder Gewerbeanlagen ab, während handwerklich geprägte Betriebe eher Einfamilienhäuser, Aufstockungen und kleinere Anbauten bedienen. Beide Segmente profitieren vom Holzbau-Boom, sprechen jedoch unterschiedliche Bauherren an: Kommunen und Projektentwickler auf der einen, private Eigentümer und Baugemeinschaften auf der anderen Seite.
Fazit: Aufstockung als strategisches Geschäftsfeld
Die gezielte Vermarktung von Hausaufstockungen durch die Münchner Zimmerei zeigt, dass Holzbau längst über den klassischen Einfamilienhausbau hinausgewachsen ist. In dicht besiedelten Regionen mit knappen Bauflächen und ambitionierten Klimazielen bietet die vertikale Nachverdichtung in Holzbauweise eine realistische Antwort auf Wohnraumknappheit – vorausgesetzt, die Betriebe bringen die nötige Kompetenz in Statik, Brandschutz und Vorfertigung mit. Für andere Zimmereien könnte das Münchner Beispiel Anlass sein, eigene Geschäftsfelder zu überprüfen: Wer frühzeitig in Know-how und Kapazitäten für Aufstockungen investiert, verschafft sich Zugang zu einem Marktsegment, das in den kommenden Jahren überproportional wachsen dürfte.
Weiterführende Einordnungen zu nachhaltigen Bauweisen finden sich in unserem Dossier Holzbau im Klimawandel; praxisbezogene Fallstudien zur Restauration und Sanierung historischer Holzbauten bietet der Artikel Halle Saint-Bonnet in Bourges: Wie traditionelle Zimmermannskunst im Denkmalschutz Auftragschancen schafft.