Der Verbindungstechnik-Spezialist Knapp hat auf seiner Website ein digitales Bemessungstool für Holzverbinder lanciert. Planer, Statiker und Holzbaubetriebe können damit Verbindungselemente für tragende Holzverbindungen eigenständig online auslegen – ohne vorherige telefonische Rücksprache mit dem technischen Vertrieb.

Das Tool deckt gängige Lastfälle für Balken-Stützen-Verbindungen, Trägeranschlüsse und Aussteifungsknoten ab. Der Nutzer gibt Querschnitt, Holzart, Festigkeitsklasse sowie einwirkende Kräfte ein; die Software schlägt passende Verbinder aus dem Knapp-Sortiment vor und gibt Montagehinweise aus. Die Ausgabe enthält eine vorläufige Bemessung nach Eurocode 5, die als Grundlage für die Ausführungsplanung dient.

Digitalisierung verschiebt Verantwortung in die Planungsphase

Die Digitalisierung von Auslegungsprozessen verändert die Rollenverteilung im Holzbau. Bisher erfolgte die Bemessung von Verbindungselementen oft im Dialog zwischen Statiker und Hersteller-Technik. Mit webbasierten Tools übernimmt der Planer die Vorauswahl selbst – und gewinnt Geschwindigkeit in frühen Projektphasen.

Für Verbindertechnik-Hersteller bedeutet das eine Verschiebung vom reaktiven Anfrage-Management zur präventiven Bereitstellung von Daten und Logik. Der technische Vertrieb wird weniger durch Routineanfragen belastet, muss aber komplexere Sonderfälle und Ausführungsdetails betreuen. Zugleich entsteht ein direkter digitaler Kontaktpunkt zum Planer – ein Hebel für Produktdatenanalyse und Sortimentsentwicklung.

Bedeutung für Holzbau-Ingenieure und Abbundbetriebe

Für Statiker und Holzbau-Ingenieure verkürzt das Tool die Iterationsschleifen in der Entwurfsphase. Wer etwa eine Brettschichtholz-Konstruktion mit mehrgeschossigen Stützen plant, kann Verbindertypen und Anschlussgeometrien vorab digital prüfen. Die Ausgabe lässt sich in die CAD- oder BIM-Planung übernehmen – ein Schritt in Richtung digitaler Zwilling im Holzbau.

Abbundbetriebe profitieren von konsistenten Montagedaten: Das Tool gibt Bohrbilder und Schraubenabstände normiert aus, was CNC-gestützte Vorbereitung erleichtert. Allerdings bleibt die finale Prüfung durch den verantwortlichen Tragwerksplaner unverzichtbar – das Online-Tool ersetzt keine Statik, sondern beschleunigt die Vordimensionierung.

Branchenperspektive: Verbindungstechnik im Plattform-Zeitalter

Knapp ist nicht der einzige Anbieter, der Bemessungssoftware digitalisiert. Große Verbindungstechnik-Hersteller setzen zunehmend auf Self-Service-Portale, um den Zugang zu technischen Daten zu standardisieren. Das senkt Vertriebskosten, erhöht aber auch den Anspruch an Datenqualität und Usability.

Für mittelständische Holzbaubetriebe bedeutet die Entwicklung: Wer künftig wettbewerbsfähig planen will, muss digitale Werkzeuge in die Projektierung integrieren. Die Hürde für den Einstieg in komplexere Verbindungstechnik sinkt – zugleich steigt die Erwartung an durchgängige digitale Prozessketten vom Entwurf bis zum Abbund vor Ort.