Die Corona-Pandemie hinterlässt tiefe Spuren im Schweizer Handwerk. Die Plattform ofri.ch, die Handwerker und Privatkunden zusammenbringt, meldet deutlich negative Auswirkungen auf Gewerbebetriebe – insbesondere Kleinunternehmen zählen zu den wirtschaftlich am stärksten betroffenen Gruppen. Die Folgen sind für Tischlereien, Schreinereien und Holzbaubetriebe spürbar: Aufträge brechen weg, Projekte werden verschoben, Liquidität wird zum täglichen Thema.

Kleinbetriebe im Holzgewerbe unter Druck

Gerade für kleinere Werkstätten und Einmannbetriebe im Holzbau und Innenausbau wird die Situation kritisch. Wer keine Großprojekte in der Pipeline hat und von der Vermittlung durch Plattformen oder dem direkten Kontakt mit Privatkunden lebt, spürt den Einbruch unmittelbar. Während größere Betriebe oft auf Rücklagen oder Kreditlinien zurückgreifen können, fehlt vielen Kleinunternehmen dieser Puffer. Die Fixkosten laufen weiter – Miete für Werkstatt und Lager, Leasingraten für Maschinen, Versicherungen –, während die Auftragsbücher sich leeren.

Besonders betroffen sind Betriebe, die stark im privaten Renovierungs- und Umbaugeschäft tätig sind. Viele Haushalte schieben Investitionen in neue Fenster, Türen oder den Innenausbau auf, wenn die wirtschaftliche Unsicherheit steigt. Aufträge für Einbauküchen, maßgefertigte Holzverbindungen im gehobenen Möbelbau oder die Sanierung von Parkett- und Dielenböden werden zurückgestellt. Das trifft Tischler und Schreiner, die auf diese Aufträge angewiesen sind, hart.

Auftragssituation: Was sagen die Zahlen?

Konkrete Auftragszahlen liegen von ofri.ch selbst nicht vor, doch das Bild deckt sich mit Berichten aus der Branche: Die Nachfrage nach handwerklichen Dienstleistungen ist in der Pandemie deutlich volatiler geworden. Während manche Betriebe in der ersten Welle noch von vorgezogenen Projekten profitierten – etwa weil Hausbesitzer die Zeit im Homeoffice für Umbauarbeiten nutzten –, zeigt sich in späteren Phasen ein anderer Trend. Unsicherheit über Einkommensentwicklung, Kurzarbeit und verschärfte Hygiene- und Zugangsauflagen in Wohngebäuden führen zu Stornierungen und Verschiebungen.

Für Betriebe, die auf kontinuierliche Auslastung angewiesen sind, wird das zur Zerreißprobe. Wer keine Rücklagen hat, muss Personal abbauen oder in Kurzarbeit schicken – und verliert damit wertvolles Know-how. Gerade im Holzhandwerk, wo Fachkräfte knapp sind und jeder erfahrene Geselle zählt, ist das ein schmerzhafter Verlust.

Liquiditätsengpässe und fehlende Unterstützung

Ein zentrales Problem vieler Kleinbetriebe: Die Liquidität reicht oft nur für wenige Wochen. Wenn Rechnungen verspätet bezahlt werden oder Anzahlungen ausbleiben, geraten selbst gesunde Betriebe schnell in Schieflage. Die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen in der Schweiz – etwa Kurzarbeitsentschädigung oder Überbrückungskredite – konnten zwar vielen helfen, doch der bürokratische Aufwand und die Unsicherheit über Rückzahlungsmodalitäten schreckten manche ab. Zudem sind die Programme nicht auf alle Betriebsformen gleichermaßen zugeschnitten: Wer als Einzelunternehmer ohne Angestellte arbeitet, fällt oft durch das Raster.

Für Handwerker, die über Plattformen wie ofri.ch Aufträge akquirieren, kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Die Konkurrenz wird härter. Wenn weniger Aufträge verfügbar sind, steigt der Preisdruck. Betriebe unterbieten sich gegenseitig, um überhaupt noch an Projekte zu kommen – mit der Folge, dass Margen schrumpfen und Investitionen in Werkzeug, Maschinen oder Digitalisierung zurückgestellt werden.

Digitalisierung als Rettungsanker?

Ein Silberstreif am Horizont könnte die verstärkte Digitalisierung sein. Plattformen wie ofri.ch ermöglichen es Handwerkern, effizienter an neue Aufträge zu kommen und ihre Sichtbarkeit zu erhöhen. Wer online präsent ist, Referenzen zeigt und schnell auf Anfragen reagiert, hat bessere Chancen, auch in schwierigen Zeiten Kunden zu gewinnen. Doch nicht alle Betriebe sind digital gut aufgestellt – gerade ältere Inhaber oder traditionell arbeitende Werkstätten tun sich schwer mit der Umstellung. Wer jetzt nicht investiert, verliert Anschluss.

Zudem erfordert die Digitalisierung Zeit und Geld: Professionelle Website, Fotodokumentation von Projekten, Social-Media-Präsenz – all das bindet Ressourcen, die in kleinen Betrieben oft knapp sind. Dennoch zeigt die Entwicklung: Wer sich jetzt öffnet und moderne Kommunikationskanäle nutzt, kann seine Widerstandsfähigkeit erhöhen.

Was können Betriebe jetzt tun?

Für Handwerker im Holzgewerbe gibt es einige praktische Ansätze, um die Krise zu meistern:

  • Liquidität sichern: Forderungsmanagement verschärfen, offene Rechnungen konsequent nachverfolgen, Zahlungsziele mit Lieferanten neu verhandeln.
  • Online-Präsenz ausbauen: Registrierung auf Vermittlungsplattformen, aktive Pflege von Google My Business, Kundenbewertungen sichtbar machen.
  • Kooperationen eingehen: Zusammenarbeit mit anderen Gewerken – etwa mit Malern, Elektrikern oder Sanitärbetrieben – kann die Auftragslage stabilisieren und neue Kundensegmente erschließen.
  • Diversifizierung: Wer bisher nur auf private Auftraggeber gesetzt hat, sollte auch gewerbliche Kunden und öffentliche Ausschreibungen in den Blick nehmen.
  • Weiterbildung nutzen: Flaute-Zeiten für Weiterbildung nutzen – etwa in moderner CNC-Programmierung, energieeffizienten Holzverbindungen oder Holzschutzanstrich-Techniken.

Ausblick: Wie geht es weiter?

Die wirtschaftliche Erholung wird nicht über Nacht kommen. Viele Experten rechnen damit, dass die Auswirkungen der Pandemie auch im Jahr 2021 und darüber hinaus spürbar bleiben. Für das Holzhandwerk bedeutet das: Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind gefragt. Betriebe, die ihre Strukturen verschlanken, digitale Kanäle nutzen und ihr Leistungsportfolio clever erweitern, haben die besten Chancen, gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

Die Erfahrungen der Corona-Zeit zeigen auch: Handwerksbetriebe müssen sich breiter aufstellen und weniger abhängig von einzelnen Auftraggebern oder Marktsegmenten werden. Materialkosten und Lieferketten sind ebenfalls unsicherer geworden – wer hier frühzeitig plant und alternative Bezugsquellen sichert, vermeidet Engpässe und kann Termine zuverlässiger einhalten.

Plattformen wie ofri.ch können dabei eine wichtige Rolle spielen: Sie senken die Hürden für Neukunden-Akquise und bieten gerade kleineren Betrieben Zugang zu einem größeren Markt. Doch am Ende entscheidet die Qualität der Arbeit und die Zuverlässigkeit – Eigenschaften, die gerade im Holzhandwerk zählen. Wer diese Werte hochhält und sich gleichzeitig den neuen Rahmenbedingungen anpasst, wird auch nach der Krise erfolgreich sein.

Quellen