Als Schreiner oder Möbelfertiger stehen Sie täglich vor der Entscheidung: Welcher Beschlag bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für Ihre Kunden – und welcher spart Ihnen Montagezeit? Julius Blum aus Vorarlberg gehört zu den drei führenden Beschlagherstellern in der Möbelfertigung und positioniert sich mit einem klaren Versprechen: lebenslange Funktionsgarantie bei werkzeugloser Montage.

AVENTOS: Klappenbeschläge für Oberschränke und Vitrinen

Das AVENTOS-System umfasst vier Hauptvarianten für unterschiedliche Anwendungen in Küchen- und Wohnraummöbeln. AVENTOS HF eignet sich für nach oben öffnende Klappen bis 2,5 kg Frontgewicht, AVENTOS HS für schwerere Fronten bis 20 kg. Beide Varianten arbeiten mit kraftunterstützten Liftsystemen, die ein sanftes Öffnen und Schließen ohne Fingerklemmen ermöglichen – ein Verkaufsargument, wenn Sie für Familien mit Kindern fertigen.

Für Sie in der Werkstatt relevant: Die Montage erfolgt werkzeuglos über Schnellmontageplatten. Blum gibt an, dass Sie dadurch bis zu 50 Prozent Montagezeit gegenüber konventionellen Topfbändern sparen. Die Justierung in drei Ebenen lässt sich auch nachträglich durchführen – praktisch bei Vor-Ort-Anpassungen.

AVENTOS HK und HL decken spezielle Anwendungsfälle ab: HK für kleine Klappen in Badmöbeln oder Sekretären, HL für große, breite Klappen an Buffets oder TV-Möbeln. Wer regelmäßig für gehobene Wohnraum-Ausstattungen fertigt, sollte das HL-System einkalkulieren – die höheren Beschlagkosten lassen sich über die Gesamtkalkulation gut argumentieren.

TANDEMBOX: Vollauszüge für Schubladen und Innenauszüge

Das TANDEMBOX-System kombiniert Zargen aus verzinktem Stahl mit Vollauszügen, die je nach Ausführung 30, 50 oder 70 kg Tragkraft bieten. Die Zargen sind in den Höhen 83, 138 und 193 mm verfügbar – ausreichend für Standard-Küchenschubladen bis hin zu tiefen Vorratsauszügen.

Für Serienfertiger interessant: Die TANDEMBOX lässt sich mit dem BOXFIX-System montieren, bei dem Sie die Zargen ohne Schrauben in vorgebohrte Korpusse einclipsen. Bei größeren Küchen-Aufträgen spart das spürbar Rüstzeit. Die Auszüge selbst sind mit BLUMOTION-Dämpfung ausgestattet – ein Feature, das mittlerweile zur Standarderwartung im mittleren und gehobenen Segment gehört.

Ein Blick auf die Lebensdauerprüfung: Blum testet die TANDEMBOX mit 200.000 Öffnungszyklen, was bei durchschnittlicher Nutzung etwa 40 Jahren entspricht. Für Sie als Verarbeiter bedeutet das: minimale Reklamationsquote, wenn Sie korrekt montieren.

SERVO-DRIVE: Elektrische Öffnungsunterstützung für gehobene Projekte

SERVO-DRIVE ist Blums elektrisches Antriebssystem für Schubladen und Klappen. Per Tipp auf die Front oder optional per App öffnet sich der Auszug selbstständig. Das System arbeitet mit wiederaufladbaren Akkus, die je nach Nutzung sechs bis zwölf Monate halten – ein Argument für barrierefreie Küchen oder wenn Ihr Kunde auf puristisches Design ohne Griffleisten setzt.

Kostenpunkt: SERVO-DRIVE liegt deutlich über mechanischen Lösungen. Rechnen Sie mit etwa 150 bis 250 Euro Mehrkosten pro Auszug, je nach Ausführung. Das rechnet sich vor allem in Premium-Projekten oder bei öffentlichen Aufträgen mit Barrierefreiheits-Anforderung. Für Standard-Wohnküchen ist Häfele oder Hettich oft die wirtschaftlichere Alternative.

Marktposition und Wettbewerb

Blum teilt sich den europäischen Möbelbeschlag-Markt mit Hettich und Häfele. Während Hettich vor allem in der Großserienfertigung stark ist und Häfele ein breiteres Sortiment auch außerhalb des Möbelbaus bietet, fokussiert Blum auf Innovation im Küchenbereich. Die Preispositionierung liegt im oberen Drittel – für Sie heißt das: argumentieren Sie die Mehrkosten über Montagezeit und Garantie.

Aktuelle Entwicklung: Blum hat 2024 das System SPACE STEP vorgestellt, einen ausziehbaren Treppenmechanismus für Hochschränke. Das System ermöglicht sicheren Zugriff auf obere Fächer ohne Leiter – interessant für barrierefreie Projekte oder wenn Sie für ältere Bauherren arbeiten. Die Verfügbarkeit und Preise sollten Sie direkt über Ihren Fachhandel klären.

Worauf Sie bei der Beschaffung achten sollten

Für kleine und mittlere Schreinereien empfiehlt sich ein Lagersortiment der gängigsten TANDEMBOX- und AVENTOS-Varianten. Halten Sie Vollauszüge in 450 und 500 mm Länge sowie HF-Klappenbeschläge vor – das deckt etwa 70 Prozent der Standardaufträge. SERVO-DRIVE sollten Sie projektbezogen ordern, um Kapital nicht zu binden.

Prüfen Sie auch Alternativen: Salice bietet vergleichbare Systeme zu teils günstigeren Konditionen. Bei Großaufträgen lohnt sich eine parallele Kalkulation. Für Spezialanwendungen im Innenausbau – etwa Schrank-Holzverbindungen in denkmalgeschützten Objekten – können klassische Beschläge ohne Dämpfung die bessere Wahl sein.